Dela denkt laut

26/04/16 Über Sozialleben

Dieser Blogeintrag ist eine Kapitulation und ein Armutszeugnis, aber auch eine dringend nötige Rechtfertigung.

Zunächst: Freunde, glaubt mir, ich hab euch fürchterlich gern und bin unglaublich froh euch zu kennen. Ich verbringe wahnsinnig gerne echte und virtuelle Zeit mit euch.

Trotzdem muss ich an dieser Stelle kurz für alle ausrufen, dass ich vorläufig erstmal nicht persönlich erreichbar bin. Ich mach das hier, weil ich mit unglaublich vielen von euch nochmal was trinken wollte und mir langsam dumm vorkomme, jedem einzeln abzusagen.

Deshalb zur Erklärung. Ich hab momentan (as in, seit nem halben Jahr) wiedermal nen heftigen Skolioseschub. So heftig, dass ich mittlerweile nicht nur die üblichen Rückenschmerzen, sondern vorallem auch Organische Veränderungen merk.

Das ist scheiße, nervig, schmerzhaft und vorallem relativ verstörend und irritierend für mich.

Dazu kommt, dass durch diesen Mist wieder eine Schonhaltung entsteht, die wiederrum andere Dinge auslöst. Gelenkprobleme und Sehnen etc.

Von den Auswirkungen auf meine Laune brauchen wir glaub ich nicht zu reden.

Insgesamt führt das also dazu, dass ich momentan von 7 Tagen in der Woche maximal 2 so schmerzfrei bin, dass ich mich selber halbwegs ertragen kann.

Soll heißen: ich kann gerade meine eigene Gesellschaft nicht ertragen, geschweigedenn eure.

Das hat nichts mit euch zu tun und ich weiß auch nicht wanns besser wird.

Ich weiß aber DASS es irgendwann wieder besser wird und dass ich mich dann bei euch melde. Ich will nur momentan nicht jedesmal wieder absagen müssen.

Seid nicht böse. Alles wird wieder heile. Alles eine Frage der Geduld. Ich hab euch lieb.

 

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27/06/15 Was man über mich sagt

Menschen sagen Dinge über mich- schöne Dinge, unschöne Dinge und alles zwischendrin. Selbstverständlich differenziert das extrem nachdem, wen man fragt.

Menschen, die mit mir aufgewachsen sind nennen mich (zu) hart und ungnädig. Aber auch tapfer, zäh und vorallem stur.
Einige bezeichneten mich schon als verbittert.
Früher wurde ich altklug genannt, das hat man sich aber ziemlich schnell abgewöhnt als meine Prognosen mehrheitlich eintraten.

Menschen, die mit mir arbeiten müssen, fluchen über meinen Perfektionismus und bewundern oder hauen mich abwechselnd für meinen Drang, die Regie zu übernehmen und Dinge nach Parametern zu strukturieren und zu planen.
Man hat mich noch nie pedantisch genannt, aber ich bin mir ziemlich sicher man war gelegentlich schon kurz davor.
Einige Menschen bezeichnen mich als klug, flexibel, lernfähig und breitgefächert interessiert.
Menschen die eine wichtige Rolle in meinem Leben einnehmen halten mich für (zu) anspruchsvoll – an mich selbst und an sie.

Ansonsten werd ich aber wohl als relativ zärtlich, loyal und unkompliziert wahrgenommen.
Andererseits wird mir sehr oft gesagt ich schalte ohne Vorwarnung „um“ ohne es selbst zu merken.
Ich neige nach Aussage einiger bei (Über)Reizung zu Arroganz und sehr demonstrierter passiv-aggressiver Ruhe, Überlegenheit und Selbsterhöhung.
Angeblich merkt man vorallem meinem Sprachbild (Lautstärke, Dialekt, Wortwahl) sehr deutlich an, wie viel Distanz ich zwischen mich und den Gesprächspartner bringen will.

 

Dann gibt es noch das Universum Twitter. Und weil ich mit diesen Menschen einen riesigen Teil meiner Zeit verbringe, und dort auch so ziemlich genau ich bin, sehe ich das auch als ganz repräsentativen Querschnitt meiner Person an. Generell lässt sich das in ein paar große Untergruppen unterteilen:

 

1. Man hält mich für eine Konstante. Für fürsorglich, einfühlsam und irritierenderweise größtenteils für nen ganz okayen Menschen.

Jeder braucht eine Konstante in seinem Leben. die Dela is unsre=)

— Herr G. (@capor_) 27. März 2015

 

Macht die Dela nicht kaputt. Die Dela macht so viel für euch.“

— Nick Lange (@Nick_Lange_) 12. April 2015

 

Ich mag Dela. Dela ist ne Gute!

— Lima (@llbyz) 20. Juni 2015

 

Mama Dela

— Michael Kupfer (@Sonnenhexer) 23. August 2014

 

Will meinen, Dela ist anders geworden. Zutraulicher? ;D

— Nick Lange (@Nick_Lange_) 07. Oktober 2014

 

Die Dela will das nicht hören, aber tief im Herzen drin, da ist sie verdammt romantisch.

— Pac-Woman (@ND_) 26. Oktober 2014

 

„Dela. <3 Du bist toll, weißt du das?“

— Tasha (@Herzschlaege) 21. Juni 2015

2. Ich gelte als massiv verfressen, Schmerzmitteljunkie und leicht glücklich zu machen.

„FRESSMASCHINE <3“

— Tommy Lee Rotten (@rottenrockstar) 24. Mai 2015

 

„Butternudeln. Mit Grüßen an die Dela. <3“

— MF Boom (@deathmessiah_) 25. Dezember 2014

 

Dela erstaunt mich immer wieder. Wie kann ein so kleiner Mensch nur so viel essen.

— ¯\_(ツ)_/¯ (@phiI94_) 21. Juni 2015

 

…das kleine Mensch hat tatsächlich 9 (Neun!) von 10 Mozzadingsis verputzt! Es ist glaube ich nicht von dieser Welt… ,)

— Lasse Gutsein (@thx4nix) 29. Mai 2015

 

Ich brauche mal Dela und ihr Schmerzmittsortiment, glaube ich.

— Krümelmonster (@fraeuleinwusel) 16. Mai 2014

 

„Dela hat auch was Leuchtendes. Wie jeder, der sich einfach so ansteckend freuen kann.“

— Amateurtrueffi (@larifariabel) 06. November 2014

3. Man attestiert mir ein großes Ego und vorallem eine gesunde Libido bis hin zum zweifelhaften Männergeschmack.

 

„Dela gehört auch zu den Menschen, wo du nicht weißt, ob du den Kopf schütteln oder lachen sollst, oder beides und dich dann verrenkst.“

— UnverNunftswesen (@Unfnug) 25. Juni 2015

 

„Die Dela, die ist eigentlich 3 m groß, die facepalmt sich nur regelmäßig in den Boden.“

— Nick Lange (@Nick_Lange_ ) 29. Oktober 2014

 

„Mami Mami, die Dela is schon wieder obszön!“

— Vinny (@toxicacd) 06. August 2014

 

„Dela und die (not)geilen Kerle. Demnächst in Ihrer Timeline.“

— Vinny (@toxicacd) 28.April 2015

 

„Dela hat auch was Leuchtendes. Wie jeder, der sich einfach so ansteckend freuen kann.“

— Amateurtrueffi (@larifariabel) 06. November 2014

 

„Dela ist so ziemlich die geilste und heißeste in der TL die ihr finden könnte :D“

— Prof. Dr. Albstein (@Chris_Wettstein) 08. Juni 2015

 

„Auch toll an einem Dela in der TL ist der nie endende Vorrat an und das immerwährende Auftauchen von Zweideutigkeiten.“

— UnverNunftswesen (@Unfnug) 12. April 2015

 

4. Gelegentlich stellt man belustigt fest, dass ich mich sehr extrem aufregen kann und auch ansonsten leichte Tendenzen zum Destruktivismus, Sadismus und Psycho Dasein zeige:

„Dela, warum so delastruktiv?“

— Nick Lange (@Nick_Lange_) 13. Oktober 2014

 

„*vor und zurück schaukel* So richtig viel Blut, Tod, Hass und Verderben, Tante Dela?“

— Sprumpel (@Florian666) 01. Dezember 2014

 

„Dela? Warum hast du Blut an den Händen?“

— Vero (@Verosatre) 11. November 2014

 

„Ich sag ja, vor Dela muss man Angst haben. ^^ „

— Carsten (@Carsten_Weed) 27. März 2015

 

„Schlagzeilen, bei denen man sofort an Dela denkt: Betrunkener Rollstuhlfahrer sprüht Pfefferspray!“

— Lima (@llbyz) 04. April 2015

 

„Die Dela will sich hier Leute scheibchenweise nachbauen /o\“

— ToRo (@PiratToRo) 23. April 2015

 

„Lieste nen Messertweet, denkste an Dela. So will es das Twittergesetz.“

— Handkäs-Hendrik (@zweitzehtee) 11. April 2015

 

„Dela veranstaltet ein Blutbbad. Alles wie immer.“

— UnverNunftswesen (@Unfnug) 20. Mai 2015

 

„Auf einer Skala von 1 bis Dela ärgern: Wie suizidal sind Sie?“

— Frau Nebel (@Nebelya) 11. Mai 2015

 

„Dela, das ist in den meisten Ländern illegal. Dela, das Blut geht nicht mehr raus. Dela, jetzt ist wieder alles voller Gedärme.“

— Sprumpel (@Florian666) 28. Mai 2015

5. Ansonsten hält man mich gelegentlich für schockierend, was sich dann meistens so äußert:

DELA

Generell glaube ich hat die Außenwelt ein Bild von mir, welches ich als ziemlich deckungsgleich zu meinem empfinde.
Allerdings glaube ich, meine Mitmenschen halten gelegentlich sehr viel mehr von mir als ich von mir selbst.

Vorallem würde ich spontan wetten, die Männer in meinem Leben würden im nachhinein besser von mir reden als die Frauen.
Allgemein könnte ich aber nicht behaupten es wäre mir egal, was andere über mich sagen oder denken. Ich glaube, dass die Leute die mich kennen, auch einen ganz guten Überblick über meine Person haben. Umso mehr freue ich mich wenn die mich irgendwie n bisschen lieb haben, und umso mehr versuch ich Dinge einzusehen, wenn ich gedotzt werde.

Bei Menschen, die ich generell nicht ernst nehme, ist mir auch ihre Meinung scheißegal. Ansonsten bin ich immer ganz glücklich über diese direkte Reflektion, halte sie aber nicht für besorgniserregend, solang sie nicht allzuweit von meinem Selbstbild abweicht.

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12/06/15 Menschliche Inkompatibilität

Ich halte mich ganz generell für einen halbwegs sozialintegrativen Menschen.
Man kann mich in eine Gruppe Leute werfen und fast immer davon ausgehen, dass ich da zwei drei Verbindungspunkte finde, wenn ich das will.
Ich bin nicht schüchtern und nicht still und wenn ich das möchte betrete ich einen Raum und er ist voll. Mein Ego ist größer als mein Erscheinungsbild, und es gab schon Menschen die mich als Naturbekokst bezeichneten.

Trotzdem habe ich bisweilen extreme menschliche Inkompatibilitäten.

Ich helfe gern und wo ich kann- allerdings bin ich, wenn ich dabei an Grenzen meines Erfahrungshorizonts stoße, meistens komplett überfordert.
Wenn ich keinen Rat geben kann will ich nicht von Dingen faseln von denen ich keine Ahnung habe, und vielleicht Situationen verschlimmern. Also ziehe ich mich zurück.
Das wird bisweilen als Ablehnung verstanden, ist aber mehr ein Mechanismus zur Vermeidung größerer Schäden bei allen Beteiligten.

Ich hasse Lautstärke oder gleichzeitige Schallquellen die ich nur schwer orten / auseinanderhalten kann.
Am schlimmsten sind Menschen mit einer hohen Gesprächslautstärke, egal ob als Grundlevel oder als Ausdruck von Aggression.
Wer laut mit mir redet erntet immer häufiger nichts als Belustigung und Verkapselung, ein schiefes Grinsen und eine passiv aggressiv gerauchte Zigarette.

Ich weiß dass ich gelegentlich auch ein sehr lautes Grundlevel habe. Erstaunlicherweise kommt das aber vorallem vor, nachdem ich wieder ein paar Tage bei Familie / unter Menschen war.
Laberndes Kind, streitende zugehörige Eltern, quietschendes klapperndes Spielzeug und nebenbei ein plärrender Fernseher, unterlegt mit Staubsaugergeräusch oder ähnliche Situationen versetzen mich in einen Alarmzustand, von dem ich teilweise Stunden nicht runterkomme.
Das macht Familiengeburtstage für mich gelegentlich mehr zur Tortur als der eigentliche Inhalt der Gespräche an sich (als wäre der nicht bitter genug).

Ich rede gern und durchschnittlich viel, wenns aber um Dinge geht die mir wichtig, aber kritischen Inhalts sind, hasse ich reden.
Ich streite mich nicht verbal, ich werde mich im Streit nur verbal äußern wenn mir eine Sicherung fliegt. Ich lasse mich anschreien und ich grinse. Gegengedanken human äußern fällt mir unglaublich schwer, weshalb ich das fast immer auf irgendeine schriftliche Ebene verlege.
Da kann ich Worte wählen, und vorallem lässt man mich ausreden ohne dass ich selbst laut werden muss um mich durchzusetzen.

Leider verschiebt das sehr oft den Zeitpunkt der Eskalation nur.
Das ist ne Scheiß Angewohnheit von mir, und sie führt entsprechend oft zu Befremdung beim Gegenüber.

Keine meiner menschlichen Inkompatibilitäten ist wirklich schlimm – vorhanden sind sie trotzdem.

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30/05/15 Dumme Ideen

Dieses beschissene Exilleben ist ne saudumme Idee.

Jedesmal und jedesmal wieder.

Du gehst und du gehst und du gehst und redest dir ein wenn du wieder heimkommst siehst du wieder Boden.

Und du kommst Heim und da ist nichts mehr was du hast, was irgendwie zu dir gehört.

Familie entweder gestorben oder du stehst wieder zwischen den selben Fronten wie immer.

Die Freunde die du hast sind da, egal wo du dich rumtreibst. Und für den restlichen kollegialen Haufen bist du ein Fremdkörper.

Also weg, irgendwohin, ein paar Wochen. Da wo einer dich wenigstens ein bisschen lieb hat. Und irritiert grinst weil du dich bei jedem krummen Wort weggejagt fühlst.

Aber auch da gehörst du nicht hin, also sitzt du nach paar Wochen wieder im Zug und heulst, weil Zuhause wieder nur Nichts, böse Briefe, ein Bierkasten und Rauhfasertapete auf dich wartet.

Irgendwas sollte ich mir abgewöhnen. Das weggehen oder das heimkommen.

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16/04/15 Zwischenmenschliches

Und wiedermal hat der @blogideekasten ein Stichwort geworfen, und diesmal ist es Nummer 19: Zwischenmenschliches in einer schnelllebigen Welt.

Zunächst muss ich aber anmerken dass ich in der priviligierten Situation bin, einen mehr oder weniger zwangsweise entschleunigten Alltag zu haben. Ich bin, zumindest momentan, nicht an Arbeitszeiten und nur selten an Termine gebunden. Mein Körper macht mir bisweilen auch recht effektiv klar, wenn ich langfristig wider besseren Wissens versuche nach fremden Uhren zu ticken. Ich kann mir also Zeit für Dinge nehmen und ich nehme mir sie auch. Ich weiß dass diesen Luxus nicht jeder hat, und dass meine Perspektive deshalb wohl nur eine sehr begrenzte Gültigkeit haben kann.

 

Ich bin kein großer Menschenfreund. Wochenends groß Party machen, draußen rumhüpfen und tausend neue oberflächliche dämliche Kontakte knüpfen ist mir zutiefst zuwider.

Trotzdem (oder grade deshalb) ist es mir enorm wichtig den Menschen, denen ich einen Platz in meinem Leben einräume, auch genug meiner Zeit freizuräumen.

Mein Telefon ist nie aus, und sofern ich nicht völlig komatös schlafe höre ich es auch und bin auf Abruf wenn irgendjemand irgendwas braucht. Jeder meiner Herzmenschen weiß, dass hier für ihn immer was zu essen, ein Kasten Bier und ein Bett stehen wird, im Ernstfall auch egal für wie lang. Das ist ein Anspruch den ich an mich habe, und ich denke bis jetzt wurde ich ihm immer einigermaßen gerecht.

 

Der zweite Punkt der bei dem Thema mitschwingt, ist wohl auch wie man Schnelllebigkeit und Flüchtigkeit empfindet.

Für viele hier sind zum Beispiel Onlinekontakte Dinge, die nie die Tiefe und Dauerhaftigkeit von „Offlinemenschen“ erreichen. Bei mir ist das nicht so. Ich kenne die meisten meiner Freunde und Bekanntschaften durch Internetkanäle, und einige davon wurden Freundschaften ohne die mein Leben eeeecht ein großes Stück beschissener wäre.

Erst heute habe ich wieder festgestellt wie unglaublich viel besser (im Vergleich mit jahrelangen RL-only-Bekanntschaften) zum Beispiel Twittermenschen wissen, womit man mich glücklich macht. So schenken mir zum Beispiel Teile meines RL-Only-Umfeldes regelmäßig Snickers, obwohl sie wissen dass ich Nüsse nur in begrenztem Maß vertrage.

Was tun Internetmenschen in Pakete die mich glücklich machen sollen?

Marmeladenkekse. Kinderschokolade. Pringles. Tee. Gummibärchen. Toaster. Schnaps. Wolle. Badekram. Und das nicht durch Zufall, sondern einfach, weil sie (meiner Erfahrung nach) deutlich empfänglicher und achtsamer für Detailfragen sind.

 

Mich nervt Unachtsamkeit für bekannte Bedürfnisse (sofern sie im Einzelfall wirklich bekannt sind). Unglaublich. 

RL Menschen telefonieren mit mir, fragen nach meinen Plänen und haben sie schon im Moment der Mitteilung wieder vergessen – besitzen aber die Frechheit mich dann anzugehen, weil ich mich nach eben getätigter Absprache richte, statt nach ihrer Phantasieinformation. Internetmenschen fragen ob ich gut gelandet bin.

RL Menschen sind teilweise nicht in der Lage, grobe Richtzeiten mitzuteilen oder werfen diese kurzfristig informationslos über den Haufen. Internetmenschen sagen mir wann sie wo gedenken aufzutauchen, und wenn sies nicht schaffen, schreiben sie wenigstens ein kurzes „miep“.

Diese Dinge sind mir wichtig, und ich freue mich jedesmal wieder, mit welcher Präzision das klappt.

Achtsamkeit ist wichtig. Beobachtet, was euren Mitmenschen wichtig ist, und versucht euch in irgendeiner Form drauf einzurichten, sofern es euch möglich ist. Ignoranz ist Scheiße, Unwissenheit dagegen nicht.

Und das ist eigentlich alles was es zu sagen gibt.

Versucht, auch wenn die Welt sich manchmal zu schnell dreht, einen Blick für die anderen zu bewahren.

Lächelt Menschen an. Versucht, Dinge zu tun mit denen ihr andere glücklicher macht. Versucht, anderen nicht lästiger zu sein als ihr müsst.

Das macht die Welt für alle Beteiligten schon zu großen Stücken besser.

 

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21/03/15 Was ich noch zu sagen hätte

Der Blogideekasten hat wieder gelost.

Diesmal das Stichwort 110 – „Was ich noch zu sagen hätte (bevor hier alles untergeht)“.

Und obwohl ich fast befürchte am Ende immernoch zu viel Galle übrig zu haben, blieb mir für immer folgender Tweet von @silvestah zum Weltuntergang im Gedächtnis.

 

„Falls die Welt tatsächlich untergeht: Ich habe euch alle geliebt. Manche ein bisschen mehr, aber niemanden nicht.<3 Falls nicht: Penis. <3“

(Quelle: @silvestah – 20.12.2012)

 

Und eigentlich gibts mehr auch ernsthaft nicht zu sagen.

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14/03/15 Wurzeln

Über Wurzeln soll ich schreiben, sagt der Blogideekasten.
Wurzeln. Hat man sowas? Braucht man sowas?
Oder ist das ein überholtes Konzept, in einer Zeit von ständiger Mobilität und Bewegung?

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Was tun so Wurzeln eigentlich?
Naja. Das Zeug bindet dich. In erster Linie. Festgemauert in der Erden…
Nee Moment, das ist wieder was anderes.

Deine Wurzeln nähren dich, sorgen dafür dass du den ganzen Kram kriegst den du so brauchst.
Ihr wisst schon. Nom, Bier, Halt im Leben.

Aber vorallem definieren dich deine Wurzeln.
Wenn deine Wurzeln sagen du bist ne Deutsche Eiche, dann kannst du dich noch so drehen und wenden, zur Kartoffel wirst du nicht mehr.

In seinem wunderschönen Kommentar zu meinem „Generation Isolation“ Blogpost beschrieb der @ickemich weite Teile meiner Generation als entwurzelt.
Darüber hab ich lange nachgedacht, und ich glaube, zumindest für mich selbst kann ich widersprechen.

Ich kenne meine Wurzeln, ich bin mir ihrer äußerst bewusst, und vorallem weiß ich, dass sie einen ziemlich starken Einfluss auf mich haben, obwohl ich mich schon lange aus der Heimaterde gelöst hab.
Das fängt damit an, dass ich jedesmal wenn ich bei meiner Oma bin höre, dass ich genauso stur bin wie mein Opa.
Das geht damit weiter, dass ich regelmäßig verständnislos über meine Schwester den Kopf schüttle, die in so ziemlich jeder Hinsicht extrem nach meiner Mutter kommt.
Es geht weiter damit, dass ich die stoische (und zutiefst provokante) Ruhe meines Vaters und die Ungnädigkeit meines Opas in mir trage.

Aber ich weiß auch an welchen Stellen meine Wurzeln schon immer am verrotten waren, ich weiß wo sie Schwäche und Probleme in sich tragen.
Das fängt bei den seit zig Generationen vererbten Allergien an und hört bei der sehr unschönen Tendenz zur ausgeprägten inneren Eskalation auf.
Ich habe ein hohes Aggressionspotenzial, ich weiß von wem es kommt.
Und ich weiß, das einzige was mich aus Schwierigkeiten raushält ist meine mangelnde Physis.
Ich weiß ich darf nicht anfangen zu trinken wenns mir schlecht geht, weil ich sonst nicht mehr aufhöre.
Ich weiß, ich muss mir immer wieder in Erinnerung rufen was ich bin, und warum, damit Dinge in meinem Kopf bleiben und nicht meine Umwelt in Mitleidenschaft ziehen.

 

Ich kenne meine Wurzeln, sie sind stark.

Sie halten mich und sie binden mich, an meine Existenz und auch an meine Grenzen.

Und ich glaube, dass ist gut so.

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22/02/15 Große Wahrheiten

Heute hat Nick ein wunderschönes Stichwort gelost. Nämlich „Die großen Wahrheiten“.
Die Frage die sich zuerst stellt ist nämlich die: wem glaubt ihr überhaupt diese vielen Wahrheiten die euch so um den Kopf geworfen werden?
Ich rede hier nicht vom großen Weltpolitischen Gesellschaftlichen Gesamtkonstrukt.
Nur diese 2, 3 Sätze die für euch und euren Charakter in Eisen gegossen bleiben und euch in eurer Realität verankern.

Bei mir gibt es zwei Menschen, denen ich die 2, 3 Sätze meines Lebens, die paar großen Wahrheiten glaube. Mein Vater und mein Opa.
Warum den beiden? Sie sind oder waren beide nicht unbedingt das, was im Gesamtbild so unbedingt als „guter Mensch“ zu bezeichnen wäre.
Das, was sie aber von den obligatorischen Arschlöchern unterscheidet ist, dass sie sich dessen immer bewusst waren.
Lieber glaub ich ihnen, als denen, die von sich selbst glauben gute Menschen zu sein.

Was sind also diese großen Wahrheiten die für mich als Leitsätze gelten?

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Die Erste große Wahrheit:
„Gott schütze uns vor bösen Frauen und Autos die die Russen bauen.“

 

Gut, mit russischen Autos kenn ich mich jetzt nicht mehr so sonderlich gut aus, aber es gibt nichts was einen schneller ins Grab bringt als ne Olle die einem wirklich böses will.
Ich spreche da mittlerweile auch aus Erfahrung.

 

Die Zweite große Wahrheit:
„Kind, du darfst nie Lügen machen. Die müssen alle schon fertig sein.“

 

Gut. Auch kein Satz den man als vorbildlicher Vater zu seinem Kind sagen sollte, aber der hat mir in meinem Leben öfter den Arsch gerettet als jedes geheuchelte „Lügen haben kurze Beine“ meiner Mutter.
Lernt lügen. Lernt eure Welt im Kopf so gut sortiert zu haben, dass ihr selbst dann immer die selbe Version der Wahrheit habt, wenn ihr euch besinnungslos gesoffen habt oder grad am Schlafreden seid. Erstens lernt ihr euch selber kennen. Zweitens schults das Gedächtnis. Drittens kriegt ihr ein Auge für Lügen anderer.
Außerdem bringt euch das automatisch in den Zwang, euer Organisationstalent zu schulen.

 

Die Dritte große Wahrheit:
„Höre alles. Nehm davon die Hälfte ernst und glaub davon noch ein Viertel.“

Menschen lügen.
Die meisten nicht mal weil sie unbedingt gern Arschlöcher sein wollen, sondern einfach, weil sich viele halt irgendwann ihre Realität gebaut haben.
Nicht schlimm, nicht verwerflich. Nur Fakt.

Die Vierte große Wahrheit:
„Versuch ein guter Kerl zu sein, aber seh zu dass es keiner merkt.“

Lass sie nie sehen wie oft du gegen dich selbst kämpfst.
Lass sie nie wissen, dass du versuchst für sie ein besserer Mensch zu sein, als du eigentlich bist.
Sonst werden sie es erwarten.
Menschen, die glauben Dinge erwarten zu dürfen, werden zu Menschen die gehen.

Die Fünfte große Wahrheit:
Das letzte Hemd hat keine Taschen, und son Strick kost ja nich die Welt.

Kram ist nur Kram. Wenn du Leuten damit helfen kannst, tu es soweit du kannst.
Kontakte können und werden dir den Arsch retten. Wenn du ausversehen mal dem Falschen geholfen hast, hast du nur Kram verloren. Kram ist verzichtbar.
Und egal was du tust. Wenn dus tun willst, tus.
Keine Angst vor freiem Fall.
Wegräumen kannst du dich immer, wenn du nicht mehr mit dir leben kannst.
Scheißerkenntnis, aber eine, die im Zweifelsfall beim einschlafen hilft.

Die Sechste große Wahrheit:
„Kind, sei nicht so ungnädig.“

Wir neigen zur Ungnade.
Wir fühlen uns überlegen. Meistens sinds wir vielleicht auch.
Aber jeder baut sich seine Welt, und wer sind wir da drin rumzupfuschen.
Wenn du zehn mal am Tag „erbärmlich“ denkst, versuchs, nur einmal die Woche auszusprechen.

Die Siebte große Wahrheit:
„Das Universum macht keine Geschenke. Es lässt sich nur Zeit mit den Rechnungen.“

Das heißt nicht, dass du das, was du für ein Geschenk hältst, ablehnen sollst.
Wenn dir 10 Minuten Glück ins Leben fallen, sei kein Idiot und verbiet sie dir.
Nur denk dran dass du im zweifelsfall 10, 20 Jahre später dafür bezahlen wirst.
Aber siehe Regel Fünf.
Der letzte Strick ist ja nicht teuer.

Die Achte große Wahrheit:
„Entschuldige dich nicht.“

Entweder, du verkneifst dir Scheiße zu bauen, oder eben nicht.
Wenn du was tust, sei dir bewusst warum, und dann machs, wenn du noch willst.
Entschuldigen bringt nen Scheißdreck.
Entweder, man verzeiht dir eh, dann ists die Luft für die Worte nicht Wert.
Wenn du bewusst Dinge getan hast, warst das Du. Entweder man kann damit leben, oder nicht. Worte ändern nichts an dir.
Wer mit dir nicht umgehen kann, ist verzichtbar.
Lieber allein als verbogen.

Die Neunte große Wahrheit:
„Man bekommt was man will. Immer.“

Du musst nur wissen, wieviel du bereit bist, dafür zu opfern.
Wenn dir das Opfer zu groß wird, willst du nicht mehr genug und solltest es abhaken.
Wenn nicht, hol dir was du glaubst, was dir zusteht. Zu jedem Preis.

Die Zehnte große Wahrheit:
„Geh bevor du weggejagt wirst.“

 

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Ich sage nicht dass ich es jemals oder immer Schaffe mich nach diesen Regeln zu richten, danach zu leben.
Nichtsdestotrotz halte ich sie für die wahr und unveränderlich.
Richtwerte. Für mich, nicht für jeden.
Dinge, die in Eisen stehen.
Auch wenn die Realität rundrum grade mal wieder bröckelt.
Das ist, was ich bin, das ist woran ich glaube.

An was glaubt ihr?

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17/02/15 Düfte

Düfte, wurde diesesmal aus dem Ideenkasten gelost.
Also versuch ich mal mir klar zu werden, was Düfte so für mich sind.

Ich glaube, für jeden mit funktionierender Sinneswahrnehmung sind Düfte vorallem in irgendeiner Form an Erinnerungen gebunden und können diese wieder wachrufen.
Bei mir sind das vorallem so Dinge wie
Maschinenöl, Benzin.Bier. Zigarettenrauch.
Kellergeruch. Holzstaub.
Omas Tomatensoße.
Zigarren an Weihnachten, Räucherkerzeln.
Aber auch Krankenhäuser.

Dann gibt es noch Gerüche die man halt irgendwie mit Menschen verbindet.
Ich weiß zum Beispiel irgendwie kaum noch was aus der Zeit mit meinem Ex, wo wir waren, was so alles passiert ist. Aber ich erkenn sein Parfum und sein Rasierwasser immernoch wenn ichs woanders rieche.
Es gibt jedenfalls nichts tolleres als einen viel zu großen Hoodie der noch nach $Herzmensch riecht – und wenns auch nur noch eingebildet ist.

Das ist alles ziemlich toll und so, unangenehm oder traurig wird es erst, wenn man entweder Erinnerung xy vergessen wollen würde, oder man plötzlich nach Monaten glaubt, dass das eigene Bett nach jemandem riecht, der seit Wochen nicht mehr da war.

Es geht natürlich auch richtig unangenehm.
Ich etrage zum Beispiel ums Verrecken nicht den Geruch von Dosenthunfisch.
Essig kann ich auch nur noch mit Überwindung riechen, nachdem man mal eine APfelessigkur an mir versuchte.
Auch bestimmte Menschen können unangenehm riechen, und damit meine ich nicht nur das obligatorische ungepflegte Pack in Bus, Zug und Straßenbahn.
Sondern vorallem Menschen die nichts dafür können, wo Medikamente oder Krankheiten dafür sorgen dass irgendwas am chemischen Gleichgewicht nicht mehr funktioniert.
Das zu ignorieren fällt mir bisweilen außerordentlich schwer.

Aber natürlich hat der ganze Kram ja auch einen Sinn.
Kälte riechen, kommenden Schnee. Regennassen Asphalt.
Rauch. Feuer.
Dinge, die Sicherheit suggerieren, oder eben den eh schon vorhandenen Fluchtreflex ins unerträgliche steigern.

Ein richtig cooles Feature ist es aber meistens, wenn man einen leichten Hang zur Synästhesie hat, wie ich.
Das gibt vielem ne ganz neue Dimension.

So kann ich zum Beispiel teilweise assoziieren, wie eine bestimmte Farbe „riecht“ – Selbiges geht auch prima bei Musik.
Kennt ihr das, wenn ein Lied z.B. so sehr ein inneres Kältegefühl auslöst, dass ihr den Eisgeruch riechen könnt?
So in etwa hab ich das ziemlich oft.
Solangs nicht überhand gewinnt, ist das ne hübsche Sache. Versuchts mal, vielleicht zieht euch auch das wieder euren Horizont etwas breiter.

Ansonsten. Versucht Dinge bewusst wahrzunehmen. Macht glücklich.
Und versucht, Rücksicht auf andere Wahrnehmungen zu nehmen.
Denn das macht andere glücklich.

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01/02/15 Loslassen

 

Loslassen.
Bis vor ungefähr 10 Minuten wäre dieser Blogeintrag hier sehr kurz geworden.
Er hätte ungefähr gelautet:

 

Zwischen Loslassen und Verlieren verläuft eine dünne Linie, und die heißt Ego.
Wer loslässt ist ein Arschloch. Immer.
Scheißt auf euer Ego und haltet fest, auch wenns euch den Hals kostet.
Wer loslässt ist zu schwach, zu feige oder zu faul.

Wenn ihr es nicht halten könnt und wollt, egal zu welchem Preis, lasst es von Anfang an nicht nah genug an euch ran. Ganz einfach.

Einsehen dass ihr schon verloren habt ist was anderes. Dinge passieren.
Manche Dinge kann man nicht retten.
Mancher kann zusehen wie ein anderer untergeht, der andere nicht.
Aber geht nicht bevor ihr nichts mehr retten könnt.

 

Damit wäre eigentlich alles gesagt gewesen.
Auf der zwischenmenschlichen Ebene ist das auch alles was es dazu zu sagen gibt.
Heute Morgen fiel mir dann aber ein, dass es noch eine Ebene gibt, auf der genau das Gegenteil gilt. Nämlich wenns um euch selbst geht.
Was soll das heißen?

 

Mein Name ist Dela und ich mag den großen bösen Wolf.
Mein Name ist Dela, und ich mag den gebrochenen Mann.
Setz mich in einen Raum mit 100 Menschen und ich finde dir nach 10 Minuten beide.

Menschen, die sich unter Kontrolle haben machen mir Angst.
Menschen, die sich unter Kontrolle haben, können lügen.
Oder noch schlimmer. Menschen, die sich unter Kontrolle haben können sie verlieren.

 

Die Kontrolle verlieren endet böse. Immer.
Die Kontrolle loslassen allerdings, egal in welches Extrem, kann aus ner Zeitbombe wieder einen Menschen machen.

 

Ihr seid der große Böse Wolf und gebt den braven Köter? Legitim.
Es geht nur schief, wenn ihr nie loslasst. Wenn ihr euch einredet, auch wirklich nur Köter zu sein.
Denn irgendwann hakts aus, und dann kommt alles zurück. Und dann hört ihr nicht mehr auf.

Ihr habt in eurem Leben mehr Dreck gefressen als irgendein Mensch ertragen können sollte?
Ihr steht, weil ihr stehen müsst? Weil außer dem Bild vom harten Mann von euch nichts mehr übrig ist?
Auch hier: Legitim. Aber wenn ihr nie loslasst holts euch ein.
Irgendwann verliert ihr die Kontrolle, und dann so, dass ihr nicht mehr hochkommt.

Ich weiß wie schwer es ist, mit dem zu leben was man ist.
Dass es manchmal an Unmöglichkeit grenzt auch nur anzuerkennen was man wirklich ist, wenn man doch so wunderbar das spielen kann, was man gerne wäre.
Aber es rächt sich. Immer.

 

Findet jemanden der sieht, was ihr seid.
Nicht das, was ihr gerne wärt.
Jemanden, der es besser erträgt als ihr selbst.

Und dann lasst los.
Vorsichtig, in kleinen Brocken.
So viel und so oft ihr wollt. Soviel und so oft ihr zulassen könnt.
Aber tut es.
Sonst kommt irgendwann der Rotfilter oder ein Loch aus dem ihr nicht mehr hochkommt.

 

Es wär schade um euch.
Um das was ihr seid.
Nicht um das, was ihr gern wärt.

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23/01/15 Helden und Vorbilder

(Krawallbrüder – Gott mit uns)

 

Ich bin ein Mensch mit leichtem Hang zum Pathos.

Deshalb denk ich auch beim Stichwort Held noch eher an siegreiche Schlachten oder zumindest grandiose Untergänge.
Ihr wisst schon. Wagneresk.

„Der letzte Mann“. Das festklammern an Idealen.

Treue bis in den Untergang. Feuersturm und Eiswände.

 

Heldenmut und Dummheit,
beides ist nicht mehr als der Wille, länger durchzuhalten als man kann.

 

Aber natürlich gibts so meine persönlichen Superhelden.

Menschen, die in einem zumindest für mich völlig unrealistischem Alter schon so felsenfest im eigenen Leben stehen dass es fast gruselig ist.
Menschen, die versuchen andere Leute bisschen glücklicher zu machen.
Menschen, die großartiges Zeug können und tun, und nur abwinken bevor man fürs „Danke“ luftholen kann.
Menschen, die andere aus ihren Löchern holen. Oder aus ihren Leben, wenns sein muss.
Menschen, die sich besser unter Kontrolle haben als gut für sie ist.
Menschen, die mehr Nackenschläge eingesteckt haben als irgendwer aushält.
Menschen, die stehen bleiben.
Menschen, die treu bleiben. Sich. Ihrer Sache. Dem was sie sind und immer sein werden.

 

Und ja, Vorbilder hab ich auch.

Die Menschen, die mir mal beigebracht haben, wie man ist, wer man ist.
Was Härte bedeutet.
Was Treue bedeutet.
Ehre, Stolz.
Welchen Preis man zahlt.

Wieviel mehr wert es ist, sich am Ende immernoch selbst ertragen zu können.
Und wenn man auch der Einzige ist, der einen noch erträgt.

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26/12/14 Horizonte

Horizonte hat Nick uns eingebrockt.
Was gibts also zu Horizonten zu sagen?

Ich mag die Dinger. Die sind so schön vielfältig und meistens sogar recht dehnbar.
Und ich mag meine Welt, klein und kuschlig wie sie manchmal ist, mit den abgesteckten Grenzen der Delahöhle.
Bin kein Mensch der seinen eigenen Horizont ständig und mit Absicht erweitern muss.
Irgendwie passiert das von selbst.
Irgendein Menschlein fällt mir in die Arme, oder in den Kopf, oder ins Bett.
Und irgendwas kann jeder dieser Menschen.
Der eine zeigt mir neue Horizonte was Selbstbeherrschung angeht.
Der nächste, wenn es zu Offenheit kommt.
Der dritte fuchtelt wild gen Himmel und will unbedingt, dass ich UNBEDINGT seinen Stern da sehen soll.
Sei es Tech-Kram, oder politische Gesinnung, oder irgendwas, was er wirklich wirklich liebt.
Ich finde das großartig, und fast immer ist meine Welt hinterher ein paar Zentimeter größer als vorher – ganz ohne dass ich da mit Willen drauf zulaufe.

Die einen haben eine viel kleinere, engere Welt als ich, kennen sich aber darin beneidenswert gut aus.
Die anderen steuern in ihrer so rum, fallen ständig ausversehen über ihre eigenen Grenzen und liegen plötzlich in ganz anderen Welten und finden das toll.
Ganz andere sitzen da in ihrer Ecke und haben so sehr Angst vor sich selbst, dass sie sich nicht trauen nach rechts, links oben oder unten zu schauen.

Das sind mir eigentlich die liebsten Menschen.
Zu denen stell ich mich gern mit raus, nehm sie in den Arm und zeig ihnen wies in ihrer eigenen Welt aussieht.

 

Denn kein Mensch braucht Horizonte wenn er die eigenen Füße schon nicht mehr sieht.

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13/12/14 Heimweh

(Moop Mama – Rolling Stone)

 

Über Heimweh soll ich diesmal schreiben… und obwohl ich dieses Thema glaube ich sogar selber eingeworfen habe merke ich, dass es mir schwerer fällt als ich dachte. Warum? Weil ich keine Ahnung habe wie sich das eigentlich anfühlen sollte.

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Die meisten erleben Heimweh wohl wirklich zuerst als Kinder. Auf Klassenfahrten, Urlauben,  sowas. In der Natur der Sache liegt, dass ich das nie erlebt habe.

Als ich kleiner war sind solche Sachen nicht möglich gewesen. Zu hoch die Hemmschwelle, einerseits Angst dass wieder irgendwas mit den Knochen ist, andererseits aber auch die reine Praktikabilität. An Pflege musste gedacht sein, an so Kleinkram wie Toiletten, Waschbecken, Duschen. Rotz halt.

Deshalb fehlen mir auch diese ¨ alleine weg von Zuhause¨ Gefühle.

Später als die Dinge machbarer wurden, gab es kein Zuhause mehr das man hätte vermissen können. Man war froh wenn man mal das Elend nicht gesehen hat, selbst wenn es ein Vermissen gegeben hätte wäre der Fluchtinstinkt immer stärker gewesen.

 

Dann kam der Auszug, das Exil, die Jahre.

Heimweh hatte ich nie. Dazu fühlte man sich zu unwillkommen.

Heimat blieb im Hirn nur die Region. Die Landmarken.

Die kleiner werdenden Häuser, wenn man von der Stadt Richtung Heimatdorf fuhr. Die zunehmenden Weihnachtsleuchtereien um Weihnachten.

 

Das, was immer von der Heimat blieb, war der Lieblingsnachbar und der Gremlin. Bei einem wusste ich dass es stabil blieb, egal wo ich war – und der andere blieb einfach bei mir, egal wohin ich ging.

Schlimm wurde erst das letzte Jahr in Erfurt. Immer mehr merken, dass der Horizont nicht mehr der selbe war, dass man mit dem Volk nicht viel gemein hatte. Dialekt aus Prinzip. Heimatidentität als Distinktion – Und wenn sie noch so zurechtgelogen war. Denn man wusste ja, dass es kein Zuhause gibt, dass Zuhause Dinge am brennen waren.

 

Heimweh war für mich primär immer die Angst, nicht da zu sein wenn irgendwas eskaliert.

Jetzt sitz ich wieder hier, in dem was schonmal meine Heimat war, und hab immernoch keine. Ich freu mich immernoch über die Region und wie sie aussieht, weil ich sie liebe.
Aber Grund hier zu sein hab ich wohl auch nicht mehr, als überall anders.

 

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05/12/14 Generation Isolation

In meiner TL ist Winter. Bei mir auch. Das zwingt zum denken. Und zum beobachten.
Beides will ich hier mal tun.

 

Wir sind eine Generation zwischen Isolation und bedingungsloser Solidarität. Wir denken an Heimat, und fast alle von uns merken, dass wir keine haben.

 

„Ich überlege seit längerem, was Heimat für mich ist, und glaube, dass ich mittlerweile nirgends mehr zuhause bin.“

— Welle Steak (@wellenart) 29. November 2014

 

Wir denken an Familien.
Wir stellen fest, dass es in unseren eigenen Leben oder in unseren Freundeskreisen kaum noch so ein auch nur annähernd funktionierendes Konstrukt gibt.

 

„Hier hat ein Mädchen Fotos ihrer Eltern im Portmonee. Ich habe ja keine Freunde, die gut mit ihren Eltern klar kommen.

— Püppi (@Staubprinzessin) 4. Dezember 2014

 

Wir sind Anfang, Mitte, Ende 20 und haben fast alle schon mindestens irgendeinen in unserem Bekanntenkreis durch Suizid verloren, oder kennen zu viele die das ganze lieber auf Raten abfeiern.

 

„Ich kenne mehr Leute, die Selbstmordversuche hinter sich haben, als Kinder geboren haben.“

— Nick Lange (@Nick_Lange_) 2. Dezember 2014

 

Wir bringen ein „Ich liebe dich“ viel zu leicht über die Lippen – oder garnicht.
Ein „Ich hab dich lieb“ war zu oft geheuchelt oder erzwungen – letztes Mittel vor der Eskalation.

Ein paar von uns können es nicht ruhigen Gewissens denken, sagen- noch viel mehr von uns können es nicht hören.

Ein „Du fühlst dich gut an“ ist mitunter der ehrlichste Satz den wir noch fertig bringen.

Wenn wir uns neben irgendjemandem einrollen und schlafen können ist das mehr, als die meisten von uns noch erwarten.

 

Wir fluchen und treten und brechen ein wenn aus diesem letzten kleinen Netz, dass wir noch haben jemand wegbricht.

Und wenn wir endlich genug Scheiße gebaut haben, so viel kompensiert (und überkompensiert) haben dass es doch nicht mehr wehtut, verfluchen wir uns selbst dass wir zu gefühlskalten Arschlöchern geworden sind.
Fragen uns, warum es doch so schnell wieder weiter geht. Denn das können wir. Weitergehen.

Keine Ahnung wofür, keinen Grund und eigentlich auch nicht sonderlich viel Wille. Aber Fahnenflucht war nie eine Alternative. Lieber tausend gelogene B-Pläne als einmal freier Fall.

Und wenn der freie Fall dann kommt stehen viele nicht mehr auf.

 

Die meisten von uns haben auf die eine oder andere Art zugesehen, wie alle um sie herum versagt haben.

Die, die uns hätten zeigen können wie das mit diesem Leben funktioniert können wir nicht ernst nehmen, weil wir schon als Kinder öfter ihre Kämpfe ausgetragen haben als unsere eigenen.
Weil sie jetzt noch vor ihrer Verantwortung und ihren Maßstäben weglaufen, die sie uns aufgehängt haben.

 

Wir führen Leben die uns ankotzen, während wir uns an inneren Maßstäben messen, die wir eigentlich selbst zerbrechen sahen.

Wir haben ihre Ansprüche und Komplexe geerbt, aber nicht mehr ihre Methoden.

Die Generation unserer Eltern hält jetzt noch Kontakt mit ihren Klassenkameraden.

Ich weiß von meinen nicht mal mehr die Namen.

 

Und trotzdem sind wir nicht so isoliert wie wir gern wären.

Wir sitzen eben doch wieder jeden Abend da und warten auf ein Piep von einem Menschen (der uns doch „eigentlich verdammt nochmal völlig egal ist…und überhaupt!“).

 „Du fehlst mir…. und dabei solltest du das nicht einmal..“

— christian (@mahlwerkende) 4.Dezember 2014

 

Wir piepen nicht, weil wir noch gelernt haben keinem auf den Sack zu gehen mit dem, was uns oft genug als „eingebildete Befindlichkeiten“ um die Ohren geschlagen wurde.

 

„Freunde blocken, damit man ihnen nicht mehr auf den Keks geht. Musterbeispiel für soziale Kompetenz.“

— Fuck off (@kawasaki_twr) 5.Dezember 2014

 

Wir wissen dass xy grad ne beschissene Zeit durchmacht und hängen irgendwo zwischen „Fragen was man tun kann“ und „nicht am verdrängen hindern“.

Wir bewerfen uns mit Zeug, mit Infos. Wir warten aufeinander. Passen aufeinander auf. Hoffen, dass uns das keiner wieder wegnimmt.

 

„well….I´m fucked“
— Sara (@ImRozes) 5.Dezember 2014

 

Freunde. Wir sind vielleicht gewaltig am Arsch.
Aber wir sind nicht die Arschlöcher geworden, zu denen sie uns machen wollten.

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26/11/14 Das Internet

So, wieder wurde ein Stichwort für den Blogideenkasten gezogen, und wieder ist es ein Thema zu dem ich viel zu sagen habe.
Heute soll es also um das Internet gehen. Genauer gesagt, um dessen Einfluss auf unser Leben.
Fangen wir also an.

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Bei mir ging das mit der exzessiven Internetnutzung so gegen 1999 oder 2000 los.
Und da kam auch schon einer der größten Verdienste, die das Internet für mich je hatte:
Chats.

Ich war damals Stammhörer einer regionalen Radiosendung, die schon damals damit angab relativ interaktiv zu sein.
Die hatten (und haben) einen Chat auf Spin.de (damals noch Spinchat ^^) – Minidela wuselte da also rein, und irgendwie waren die da alle cooler als die meisten RL Menschen.
Du hattest erstmal ne brauchbare Chance auf nen brauchbaren ersten Eindruck als Mensch, wurdest nicht gleich vom ersten Besehen als Behinderte katalogisiert.
Ich hab nie ein Geheimnis draus gemacht, aber der erste Eindruck ist einfach ein anderer, wenn du erst als Person mit großer Fresse und DANN als Rollstuhlfahrer wahrgenommen wirst.

In besagtem Chat lernte ich dann auch den (jetzt) Lieblingsnachbar kennen.
Es kam wies kommen musste, man traf sich auf dem Zwickauer Stadtfest zum Liveauftritt besagter Radiosendung.
Vor einem Burgerking, den es heut garnicht mehr gibt.

Man erkannte sich, und plötzlich wurde ich umarmt, und noch ohne meine Eltern eines Blickes zu würdigen wurde ich geschnappt und den anderen Stammhörern vorgestellt.
Ohne Befindlichkeitsgetue, ohne Berührungsängste, ohne Theater. Etwas, dass ich vorher so auch noch nie erlebt hab.
Er ist immernoch einer der wichtigsten Menschen meines Lebens, hat mich in beschissensten Zeiten erlebt und war für jeden Aufschwung zumindest teilweise verantwortlich.

Selbiges gilt für einen weiteren wichtigen Menschen in meinem Leben, Chris.
Ihn lernte ich ungefähr n halbes Jahr später kennen, lustigerweise wegen einer Unterhaltung die daraus entstand, dass er mir nicht glauben wollte, dass wir die selbe Erkrankung haben.
Man unterhielt sich, er merkte dass ich ihn nicht verarsche, man freundete sich an. Man hielt den Kontakt, jahrelang. Verlor sich aus den Augen, nur um sich wiederzutreffen und sich in ne Beziehung zu stürzen die die richtige Idee zur falschen Zeit war. Er ist mittlerweile mein Ex, aber trotz all der Scheiße die wir uns in den 14 Jahren so gegenseitig angetan haben sind wir immernoch Freunde die aufeinander zählen können wenns brennt.

 

Auch jetzt ist das Internet der wahrscheinlich größte Generator für RL Freunde und Bekanntschaften, ja auch für Beziehungen.

Twitter hat mir wahnsinnig tolle Menschen gezeigt, und auch mit denen, mit denen ich noch kein Bier trank, will ich es eines Tages.
Da helfen sich Menschen gegenseitig. Ohne sich zu kennen. Ohne etwas zu erwarten. Schenken sich Dinge. Schenken sich Liebe. Vertrauen sich gegenseitig, hören einander zu.
Wachen übereinander, ohne zu ÜBERWACHEN.
In richtig beschissenen Zeiten hab ich mich nur ausm Bett gehievt, weil ich wusste dass da Leute sind, die auf ein Piepsen oder einen Krabbenburger warten. Der Mensch braucht Leute, die auf einen warten. Und wenns nur kleine Minibildmenschen in irgendeinem Bildschirm sind, wenn man sonst nix hat.

Ja, das Internet weiß viel über mich. Nein, das Internet hat das, was es über mich weiß seltener gegen mich gerichtet als mein sonstiges natürliches Umfeld.

 

Aber auch abgesehen vom Einfluss auf das Sozialleben hat das Internet einen riesigen Impact.

Einerseits die Möglichkeit zur Bildung. Ich bin Dorfkind.
Die Schulbibliothek war dünn, der Weg zur nächsten Bibliothek war weit und mit Bettelei bei den Eltern verbunden.
Dann kam das Internet und Projekt Gutenberg. Statt nur Stephen King, Hohlbein und anderer Trivialliteratur las ich plötzlich mit 13, 14 Nietzsche und Byron.
Ich druckte aus und verschanzte mich mit Textmarker, Notizblock und Ausdrucken in meiner Höhle.
Ich lernte vergleichendes Lesen.
Ich erweiterte meinen Wortschatz, im Deutschen und im Englischen.
Ich lernte wissenschaftliches Arbeiten.
Ich lernte Exzerpierung, noch bevor ich irgendwas damit zu tun gehabt haben müsste.
Das Internet war ein Grund, weshalb ich Literatur studiert habe.

Heute sind es vorallem die Podcasts.
Ich habe seit dem ich diese tolle Erfindung in mein Leben integriert habe nicht nur tolle Menschen kennengelernt, sondern auch meinen Horizont verbreitert.
Ich beschäftige mich mit Technik.
Ich scheitere daran mir eine Häkelsoftware in Logo zu basteln.
Ich kann mittlerweile mit Stichworten etwas anfangen, die früher Hexerei waren.
Ich lerne neue Lebenskonzepte kennen, die zwar nicht meins sind und vielleicht auch nicht mit mir kompatibel, aber völlig akzeptabel sind.
Ich lerne zu reflektieren, kann mich mit Vergleichsgruppen messen die ich sonst nie kennengelernt hätte.

 

Der letzte, aber wahrscheinlich wichtigste Einfluss den das Netz auf mein Leben hat ist aber wahrscheinlich folgender:

Das Internet erlaubt mir ein selbstständiges, selbstgewähltes und nicht fremdbestimmtes Leben.
Durch das Internet habe ich Wohnungen gefunden. Unterstützung, Informationen über Dinge die ich brauche.
Durch das Internet kann ich alleine wohnen, weil ich hier Leute kennengelernt habe, die ich nach Hilfe fragen kann, wenn irgendwas kaputt ist.
Durch das Internet kann ich meine Finanzen machen ohne ständig auf Taxi oder Fahrer angewiesen zu sein, die mich zur Bank bringen.
Durch das Internet kann ich meinen Häkelkram unter Leute bringen und mir dafür Gummibärchen schenken lassen.
Das Internet bringt mir Nahrung, Schmerztabletten, Klamotten, Tabak, alles.
Ich drucke meine Briefmarken aus, lasse meine Pakete übers Internet abholen.
Ich muss niemanden mehr fragen ob er mich in die Stadt fahren kann damit ich meinen Wocheneinkauf machen kann.

 

Das Internet ist mein Kino, mein Radio, meine Bibliothek und meine Lieblingskneipe.
Es schützt mich vor materieller Verarmung (wisst ihr eigentlich wie teuer son Taxi ist?) und vor allzu üblem Hüttenkoller.
Ich muss keinen mehr anbetteln.
Ich bin größtenteils unabhängig von Leuten, deren Zuverlässigkeit zweifelhaft ist.
Wenn etwas nicht funktioniert, kann ich den Anbieter wechseln.
Es ist ein Geschäft, und beinhaltet keine drohenden Predigten über Dankbarkeit und Gönnerei.

 

Was ich damit sagen will. Ich hab vielleicht einen verklärten Blick auf diese ganze Sache, und selbstverständlich hat das Internet Risiken und Versuchungen.

Die hat das echte Leben aber auch.
Der Punkt ist der, ohne Internet wäre mein Leben ein anderes, und mit absoluter Sicherheit kein besseres.
Der Rest ist eine Frage der Charakterfestigkeit, Menschenkenntnis und der Schwerpunktsetzung.

Wenn du das nicht kannst bist du im „echten Leben“ genauso schnell in Schwierigkeiten.

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24/11/14 Verbitterung

Ich hab heute mit Oma telefoniert.

Alles war gut und flauschig und okay. Irgendwann sagte sie, sie habe ein altes Lesezeichen von mir gefunden. Und wie lange das her sei. Und dass ich ¨damals noch nicht so verbittert war¨.

Irgendwie krieg ich den Satz nicht aus dem Hirn seitdem. Bin ich denn wirklich so verbittert? Ich halte mich nicht für verbittert. Wirklich nicht.
Im Gegenteil, ich glaube, in der Beziehung war ich früher schon viel näher am umkippen als heute.

 

Die letzten Jahre waren zu großen Teilen sehr beschissen.

Das weglaufen. Das wie ein Versager fühlen. Das Hände reichen und das weggeschickt werden.

Die Predigten über Dankbarkeit für Dinge, die nie guter Wille sondern immer nur Feigheit waren.

Die Predigten über die Lügen, obwohl man ja doch nur noch mehr Eskalation erntete wenn man mal ehrlich war.

Das Schein wahren.

Das ¨es wird schon wieder, ich brauch keine Hilfe¨ und die folgende Totaleskalation.

Die Erkenntnis von Dritten, die zu spät kam und noch immer ohne Konsequenzen bleibt.

Die Feigheit und die Selbstgerechtigkeit aller Beteiligten.

Das abwechselnde Kleinreden und Hochspielen, je nachdem wer fragt.

 

Das ¨WIR haben es doch wieder hinbekommen.¨

WIR haben einen Scheißdreck hinbekommen. Es gab kein WIR. Es gibt kein WIR.

Jeder von uns blieb alleine mit all dieser Scheiße und ist es noch.

Wir blieben stehen weil wir mussten, und IHR habt euch dafür gefeiert.

 

Einigen von uns fehlen ganze Jahre in der Erinnerung.

Gültig waren nur eure Wahrheiten und eure Methoden.  Was nicht sein darf, ist nie so gewesen.

Sätze sind nie gefallen, Dinge nie passiert.

Fehler wurden nie gemacht.

Ein Eingreifen war nie nötig.

Ihr fangt neu an und lasst unter den Tisch fallen was nie war. Wir bauen aus euren Scherben neue Leben.

Ich bin nicht verbittert. Verbittert wäre ich vielleicht wenn diese Scheiße jemals ein Ende hätte.

Aber das hat es nicht.

Denn egal mit wem von euch wir reden, ihr lasst uns immernoch eure Kriege führen. Und egal mit wem wir reden, wir rechtfertigen es. Verteidigen eure Dummheit und unsere.

Weil sichs so gehört?

 

Trotz alledem.

Ich bin nicht verbittert.

Mich ekelt der eine oder andere Gedanke, ja.

Und ziemlich oft bleibt mir außer Verachtung nicht viel übrig.

Wütend bin ich schon lang nicht mehr.

 

Aber ich bin nicht verbittert.

Ich hab Spaß am größten Krempel.

Ich kann mich immernoch über und auf Kleinstkram freuen.

 

Ich kann immernoch niemanden zurücklassen.

Ich kann immernoch einen Raum betreten und ruhigen Gewissens die Toleranz des Überlegenen raushängen.

Ich kann immernoch Scheiße zu Gold machen.

Ich kann immernoch Glück bringen.

 

Ich verbringe immernoch meine Zeit lieber mit dem Abschaum dieser Menschheit als mit euch.

Ich kann immernoch mein letztes Bier und mein letztes Essen mit Menschen teilen.

Ich kann immernoch Menschen den Rücken zudrehen.

Ich kann immernoch mit fremden Menschen besser pennen als allein.

Ich kann immernoch in Spiegel schauen.

 

Ich kann mir mittlerweile Totalausfälle leisten.

Ich kann Leute aus tiefstem Herzen liebhaben.

Ich kann immernoch für Leute grinsend in Kreissägen springen und euch für eure Feigheit auslachen dabei.

Ich kann mich immernoch als Idiot bezeichnen lassen, wenn ich zu Leuten halte die anders reagieren als sie sollten        – ohne die Segel zu streichen.

Ich kann noch Zweifel ertragen ohne zu kapitulieren.

 

 

Ihr macht mich vielleicht zum Idioten.

Zum Verräter macht ihr mich nicht.

 

Und so lang bin ich nicht verbittert.

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03/11/14 Ungerechtigkeit

Ungerechtigkeit also, hm?

Tja, ich hab die Fresse aufgerissen, der Blogideekasten ist zur Hälfte mein Projekt und der Zufall hat so entschieden. Gut. Reden wir über Ungerechtigkeit.

Was fällt also mir, Nachts um 4, minimal angetrunken und schlecht gelaunt zum Thema ¨Ungerechtigkeit¨ ein?

Nun, in erster Linie wohl, dass ich nicht daran glaube, dass es sie als Solche gibt.
Ungerechtigkeit ist in meiner Welt keine gegebene Größe, kein greifbarer oder auch nur annähernd rationaler Wert. Ungerechtigkeit ist schlicht und ergreifend einerseits ein rein menschliches Gefühl, andererseits aber wohl die Basis für ein philosophisch-moralisches Konstrukt auf dem eine Wertegemeinschaft ihre Verteilungsmechanismen aufbaut.
Damit meine ich übrigens nicht nur Verteilung materieller Dinge sondern auch so weicher Werte wie Zuneigung und Unterstützung.

Glaube ich daran, dass eine Gruppe aus den Gemeinsamkeiten ihrer individuellen Gerechtigkeits / Ungerechtigkeitsgefühle ein halbwegs relevantes moralisches Konstrukt bauen kann?
Ja.Nur so sind sowas wie Rechtssysteme und daraus resultierende Konsequenzen möglich.

Glaube ich an das Verteilungssystem, dass meine Gesellschaft sich auf Basis des herrschenden kollektiven Gerechtigkeitssinns aufgebaut hat?
Bedingt.

Glaube ich an die Relevanz des eigentlichen individuellen Gefühls, dass so gemeinhin als ¨Ungerechtigkeit¨ deklariert wird?
Nein. Denn von ¨Ungerechtigkeit¨ als individuellem Gefühl sprechen ist für mich immer leicht konnotiert mit so Dingen wie ¨Die Welt ist schlecht¨ ¨Schicksalsgläubigkeit¨¨immer ich¨ und generellem ¨Mimimi-ismus¨ .

Beispiel.
Fände ich es ungerecht, dass irgendwo in der dritten Welt irgendwelche armen Teufel kein sauberes Wasser zum saufen haben und ich Depp euch Nachts um 4 mit Schnapsgedanken belästigen kann?
Ja. Wenn dieser Fakt nicht primär darin begründet läge, dass es Arschlöcher gibt, die sich an diesen Zuständen ne goldene Nasenscheidewand verdienen. Nicht daran, dass die Welt ungerecht und schlecht ist.

Fände ich es ungerecht, dass ich Nachts um vier hier liege und mir Sorgen um Freunde mache die seit Monaten überlegen wo sie jetzt die nächste Miete herbekommen, während anderswo gewisse Menschen grad mit Koks und Nutten feiern?
Sicher. Aber auch das liegt daran, dass es Arschloch-Arbeitgeber, Arschloch-Amtsmenschen und Arschloch-Typen gibt. Nicht daran, dass die Welt ungerecht und schlecht ist.

Fände ich es ungerecht, wenn Typ A für Tat x in selber Konstellation 5 Jahre länger in den Bau geht als Typ B, weil irgendwem sein Gesicht nicht passt?
Selbstverständlich. Wenn dass dann nicht einfach nur das Symptom eines künstlichen Konstruktes einer Wertegesellschaft wäre, das, ratet mal – genau – im Zweifelsfall primär von Arschlöchern geprägt wird.

Was ich damit sagen will:
Gegen Gefühle seid ihr machtlos. Das, was ihr Ungerechtigkeit nennt, ist ein Gefühl und verdammt deshalb zu Macht- und Tatenlosigkeit.
Arschlöcher dagegen sind Menschen – kein hohes Schicksal.
Gegen Arschlöcher kann man was machen. Die kann man bekämpfen. Seis durch die vielbeschworene Weltrevolution oder durch Bleizucker im Kaffee. Manchmal reicht auch einfach ne freundliche Nackenschelle.

Redet euch also nicht auf ein persönliches Gefühl wie Ungerechtigkeit raus, wenn ihr eigentlich sagen wollt ¨das ist ein Umstand, der Murks ist, gegen den vorzugehen ich aber zu faul/feige/unfähig bin“.
Ihr dürft schwach sein. Ihr dürft unfähig sein. Ihr dürft feige sein, und meinetwegen auch faul.
Aber deklariert eure Gefühle richtig. Und wenn ihr ¨ich fühl mich machtlos¨ meint, gebts auch zu.

Danke.